Erzählte Reisen: Griechische Philosophen und Wissenschaftler unterwegs

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Beschreibung


Fabia Neuerburg

Erzählte Reisen: Griechische Philosophen und Wissenschaftler unterwegs. Eine narratologische und motivgeschichtliche Untersuchung

ISBN 978-3-98940-074-0, 256 S., kt., € 32,50 (2025)

(AKAN-Einzelschriften, Bd. 15)


Reisen sind seit jeher ein typischer Bestandteil des Lebens von Philosophen oder Wissenschaftlern gewesen. Sie dienten der Übertragung und Verbreitung bestimmter Lehren und Wissen im Allgemeinen, nicht zuletzt durch die Bewegungen von Schülern, die sich an bestimmte Orte oder Städte begaben, um sich berühmten Lehrern anzuschließen. Im Sinne der ἱστορία dienten Reisen den Weisen natürlich auch schlicht der Erweiterung des eigenen Horizonts und der „Welterfahrung“. Derartige Berichte über diese mannigfaltigen Unternehmungen sind daher insbesondere aus den Philosophenviten, aber auch anderen Schriften, die sich mit dem Leben weiser Männer und deren Lehren beschäftigen, nicht wegzudenken. Der vorliegende Band versucht keine Rekonstruktion historischer Reisen, sondern beinhaltet eine literaturwissenschaftliche Analyse der Reisebeschreibungen und ihrer Funktion. Im Zentrum steht eine motivgeschichtliche Untersuchung der Topoi, welche im Zusammenhang mit Reisen stehen und – immer wieder rezipiert, transformiert und gelegentlich sogar parodiert – als Gemeinplätze die Reiseberichte aus der gesamten griechischen Literaturgeschichte durchziehen. Um der Universalität und der Kontinuität der Topoi philosophischer und wissenschaftlicher Reisen und auch um der Vielfalt der Textgattungen Rechnung zu tragen, trägt der Band daher eine exemplarische Auswahl an unterschiedlichen Texten aus einem großen Zeitraum von Parmenides bis Marinos von Neapel zusammen. Das Ergebnis ist eine Typologisierung der zentralen Topoi der Berichte über philosophische und wissenschaftliche Reisen und eine detaillierte Nachzeichnung ihrer (Weiter-)Entwicklung quer durch unterschiedliche Textgattungen aus Jahrhunderten griechischer Literaturgeschichte.


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Pressestimme

"Fabia Neuerburg gliedert ihre Monographie zu Reisedarstellungen und -motivationen in drei große Abschnitte: Auf Danksagung, in der sie ihre Doktorarbeit durchaus passend als „Reise“ bezeichnet, die „ohne die Begleitung vieler anderer Personen ein steiniger Pfad oder gar nicht erst möglich gewesen“ wäre, und Einleitung – gegliedert in Einführung, Fragestellung und Methodik, wozu die Analyse von Topoi und die Bestimmung des narrativen Rahmens gehören – folgen „Der Philosoph auf Reisen“ (mit Texten von Parmenides, Herodot, Platon, Plutarch und Lukian), „Der göttliche Reisende der Spätantike“ (mit Auszügen aus Philostrat, Porphyrios, Jamblich und Marinos von Neapolis) und schließlich „Ärzte auf Reisen“ (neuerlich Herodot und zusätzlich Hippokrates). Ein kompaktes Fazit und ein gut sortiertes Literaturverzeichnis runden den lesbaren und dankenswert einheitlich gegliederten und doch abwechslungs- und facettenreichen Band ab. Jedes Kapitel beginnt mit einem Abschnitt zum Inhalt des jeweils behandelten Werks, gefolgt vom narrativen Rahmen, wozu auch die Erzählperspektive gehört, und den Topoi: Bei letzteren erfolgen individuell auf den jeweiligen Fokustext abgestimmte Interpretationen (stets mit markanten Zwischenüberschriften, die den besonderen Charakter der einzelnen Reisebeschreibungen hervorstreichen). In ihrem konzisen Fazit hebt die Verfasserin hervor, dass philosophische Reiseberichte die konkrete Reise – sie spricht von der „eigentlich ‚technischen‘ Seite“ – oft gar nicht schildern; nur bei Pythagoras’ Seereise verhält sich das anders. Übergänge (Aufbruch, Ankunft, Heimkehr) sind jedoch wesentliche und genretypische Elemente, desgleichen exotische – und deswegen interessante – Eigenarten fremder Länder und Kulturen, womit – der kaum gegebenen Nachprüfbarkeit durch Rezipient*innen geschuldet – wiederholt „Authentifizierungsstrategien“ verbunden sind: „Die Philosophen schreiben sich gleichzeitig in eine Tradition ein, eine ‚Genealogie‘ der reisenden Gelehrten. Reisen werden somit zum unabdingbaren Element eines Philosophenlebens.“ Allen Reisenden gemeinsam ist „der Prozess des Wissenserwerbs“ und ihr „Streben nach θεωρία, φιλομάθεια und φιλοσοφία“. Fabia Neuerburgs Streben gilt der Typologisierung von Reisen und damit der Wissensvermittlung an ihre Leser*innen: Auf beiden Wegen ist sie ans Ziel gelangt."

Sonja Schreiner, Wiener Studien 138 (2025)