AKAN - Antike Naturwissenschaft und ihre Rezeption XXXV

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Beschreibung


Jochen Althoff, Diego de Brasi, Sabine Föllinger, Georg Wöhrle (Hg.)

AKAN - Antike Naturwissenschaft und ihre Rezeption, Band XXXV

ISBN 978-3-98940-081-8, ISSN 0942-0398, 358 S., 12 Abb., kt., € 45,00 (2025)


Vorwort

Cătălin Enache (Wien): Die metaphysische Taxonomie der Tiere in Hippokrates’ Über die Lebensweise (Kap. 46–49)

Kyungho Roh (Bonn): Schweinepolis und ein philosophischer Hund in der Politeia: Platons Analogie zwischen Philosoph und Hund

Lucas Álvarez-Maldonado (München): Plants and Intelligible Animals in Plato’s Timaeus

Lothar Willms (Heidelberg/Berlin): Mensch und Tier in der Stoa. Zwischen Kosmologie, Anthropologie, Ethik und Psychagogie

Piotr Wozniczka (Trier): Zum Motiv der zum Tier verwilderten (Hirten-)Sklaven in Diod. 34/35.2.27–31

Thorsten Fögen (Changchun/Durham): ἀνθρώπων πιστότερος καὶ εὐνούστερος: Hunde (und Menschen) in Aelians Schrift Περὶ ζῴων ἰδιότητος

Islème Sassi (Zürich): Zoologische Expertise und Empathie im Goldenen Esel des Apuleius

Jan R. Telg genannt Kortmann (Münster): Analogien und Beziehungen zwischen Meerestieren und Menschen in der römischen Literatur

Clemens Lunczer (Schorndorf): Falknerei und Beizjagd im griechisch-römischen Kulturraum

Wolfgang Hübner (Münster): Mensch und Tier im Zodiakos

Annika Mayer (Trier): Die ‚Verwilderung‘ des Menschen – Porphyrios von Tyros zu Fleischkonsum und Vegetarismus


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Pressestimme

"Das bereits 35. AKAN-Heft bietet neben einem kompakten Vorwort in elf gut recherchierten Beiträgen die gewohnte (und erwartbare) thematische Breite und inhaltliche Tiefe, die Jahr für Jahr die Vorfreude auf das Erscheinen des jeweils nächsten Bandes weckt: 2025 ist er besonders umfangreich ausgefallen und beleuchtet nichtmenschliche Tiere aus verschiedenen Perspektiven. Cătălin Enache behandelt „Die metaphysische Taxonomie der Tiere in Hippokrates’ Über die Lebensweise“ und kommt zu dem Ergebnis, dass es sich in den eingehend besprochenen Kapiteln mehr um einen Fleisch- als um einen Tierkatalog handelt. Bei allen systematisch vorgestellten Spezies kommt den Elementen Feuer und Wasser besondere Bedeutung zu; zentrale Unterscheidungskriterien sind Habitat, Ernährungsweise, Blut, Lebensalter und Geschlecht. Kyungho Roh arbeitet in „Schweinepolis und ein philosophischer Hund in der Politeia: Platons Analogie zwischen Philosoph und Hund“ unter Heranziehung von viel Literatur akribisch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Mensch und Schwein und dann zwischen Mensch und Hund heraus; Schweine verbindet Platon mit „Ignoranz oder Irrationalität“, den Hund definiert er als „Urbild des Philosophen“ – und doch gibt es – bei aller emotionalen Bindung – graduelle Unterschiede. Lucas Álvarez-Maldonado widmet sich „Plants and Intelligible Animals in Plato’s Timaeus“ und grenzt Pflanzen insofern von Tieren ab, als sie keine Abbilder verstandesbegabter Tiere sind, jedoch beseelt, weil sie Nahrung und Schutz für andere Lebewesen bieten. Mit gut gewählten Textpassagen entwickelt Álvarez-Maldonado sein Konzept und kommt zu dem Ergebnis, dass „the premise that plants live because they have a kind of soul which is ultimately connected with self-replenishment and reproduction, and, on the other hand, the premise that anything that comes to take part in life ,could rightly and most correctly be called an animal.‘“ Lothar Willms bestimmt in „Mensch und Tier in der Stoa. Zwischen Kosmologie, Anthropologie, Ethik und Psychagogie“ die Positionen von menschlichen und nichtmenschlichen Tieren in den zentralen Bereichen der stoischen Philosophie und eignet seinen Beitrag Georg Wöhrle zum 70. Geburtstag zu. Er beginnt mit dem programmatischen Satz: „Die Evolution der Menschheit ist eine Geschichte ihres Verhältnisses zum Tier.“ Das betrifft alle Lebensbereiche und geht kulturübergreifend mit einer (intellektuellen) Abgrenzung von Mensch und Tier einher.“ Piotr Wozniczka äußert sich geistreich „Zum Motiv der zum Tier verwilderten (Hirten-)Sklaven in Diod. 34/35.2.27–31“. Er setzt mit dem Sklavenaufstand unter Eunus im 2. Jh. v. Chr. und den Berichten darüber ein, bietet das im Titel genannte Fr. C Virt im Paralleldruck mit Photios Cod. 244 S. 384 a und b in Original und Übersetzung und schließt eine ausführliche Analyse des Verwilderungsmotivs an. Dabei trägt er der historischökonomischen Sicht ebenso Rechnung wie der metaphorischen. Thorsten Fögen zeigt in „ἀνθρώπων πιστότερος καὶ εὐνούστερος: Hunde (und Menschen) in Aelians Schrift Περὶ ζῴων ἰδιότητος“ die Bedeutung des Hundes für den Menschen. Als Motti setzt er prägnante Zitate aus Büchern von Zimen und Kotrschal voran und beginnt mit einer knappen Kulturgeschichte des Hundes, um sich dann Argos aus der Odyssee, Arrians Horme, dem Grabmal der Aeolis, der Grabinschrift auf Margarita, den Grabepigrammen auf Myia und Patrice und schließlich Martial 11,69 zuzuwenden – dem Epigramm, in dem die verstorbene Jagdhündin Lydia spricht. Im Fokus des Beitrags steht aber Aelian. Mit vielen Zitaten thematisiert Fögen biologische, zoologische und ethologische Aspekte, betont regionale Unterschiede von Hunden, zieht Parallelen zur Fabel, liefert zahlreiche und berührende Belege für die Treue und Anhänglichkeit von Hunden, betont „die ausgeprägte Erzählfreude Aelians“ im Vergleich mit Aristoteles und hebt die „Interaktion von Hund und Mensch“ hervor. Islème Sassi demonstriert „Zoologische Expertise und Empathie im Goldenen Esel des Apuleius“, indem sie überzeugend darlegt, wie sehr das ausgeprägte Wissen um Wesen, Physis und Bedürfnisse eines Esels die Authentizität und Anschaulichkeit der Schilderung von Lucius’ Schicksal und der Abenteuer, Qualen und neuen Lebensrealität nach seiner Verwandlung erzähltechnisch positiv beeinflusst hat. Hiezu äußert sie sich unter Heranziehung vieler gut gewählter Textbeispiele und feinsinniger Interpretationen zu Anatomie, arttypischem Verhalten, ethischen Implikationen, Leidensfähigkeit, Tierquälerei und Empathie. Die Frage am Ende rüttelt auf: „Ist es abwegig, dass es eines der Ziele des Romans ist, Empathie in uns Lesenden zu wecken, unter anderem für Esel und andere Nutztiere?“ Jan R. Telg genannt Kortmann zeigt zahlreiche und erstaunliche „Analogien und Beziehungen zwischen Meerestieren und Menschen in der römischen Literatur“ auf. Er bringt zahlreiche Beispiele aus Plinius maior, darunter den Delphin (mit Ausblicken auf Plinius minor, Ovid und Oppian) und kommt zu dem Ergebnis: „Vom Menschen zum Tier, und der Mensch im Tier: Durch den Glauben daran, dass Delphine einst Menschen waren, befeuerte man eine ethologische Verwandtschaft. In dieser mythischen Verbindung von Fischwesen und Landwesen, Delphinen, den ultimativen Grenzüberschreitern, kehren wir in gewisser Hinsicht zurück zu den Hybridwesen, Meerfrau und Meermann.“ Clemens Lunczer stellt unter Anwendung fachsprachlicher Besonderheiten und mit entwickelter ornithologischer und jagdlicher Kenntnis „Falknerei und Beizjagd im griechischrömischen Kulturraum“ vor und schließt damit an eine ganze Reihe von vogelkundlichen Beiträgen an, die er im Lauf der Jahre zu den AKAN-Heften beigesteuert hat. Im aktuellen Aufsatz wertet er Quellen aus, die zeigen, dass Falknerei in der griechisch-römischen Antike keineswegs unbekannt war und wie diese spezielle Jagdform mit Tieren im spätantiken Nordafrika etabliert wurde. Wolfgang Hübner widmet sich „Mensch und Tier im Zodiakus“. Sein Ausgangspunkt ist die „Astrothesie von Tier und Mensch“, indem er die die einzelnen Tierkreiszeichen vorstellt, ein „System der vier Triplizäten“ entwickelt (erläutert durch mehrere Abbildungen und Zitate aus Manilius) und die mannigfaltigen Beziehungen zwischen den Sternzeichen erläutert. Annika Mayer zeigt abschließend „Die ‚Verwilderung‘ des Menschen – Porphyrios von Tyros zu Fleischkonsum und Vegetarismus“ und greift damit ein immer schon emotional und kontroversiell diskutiertes Thema auf. Sie analysiert De abstinentia und betont die Verbindung des Konsums von rohem Fleisch mit der Brutalität des Menschen und die zivilisatorische Komponente des Gebrauchs von Feuer. Das Feuer ist eine ambivalente Kraft; es „spendet sowohl Licht als auch Wärme und kann dazu genutzt werden, Lebensmittel zu verarbeiten.“ Das heißt aber auch: Fleisch wird erst dadurch schmackhaft. Auf der ‚Speisekarte‘ des 35. AKAN-Heftes wird sich für jeden Geschmack etwas finden; ja vielleicht wird sogar die Lust geweckt, einmal etwas ganz Anderes zu probieren – nicht durch einen unabwendbaren Zufall, sondern aufgrund der wissenschaftlichen Qualität des Gebotenen."

Sonja Schreiner, Wiener Studien 138 (2025)