Andreas Rosie


'Terrified Consciousness'
Ausdrucksweisen postkolonialen und postmodernen Bewußtseins
bei V. S. Naipaul, W. Soyinka, W. Harris und D. Potter


Die vorliegende Arbeit zeigt im Kontext des “terrified consciousness” ein bedeutsames Konvergenzmerkmal postkolonialer Literatur des anglophonen Commonwealth und des postmodernen englischen Romans auf. Exemplarisch werden V. S. Naipauls The Mimic Men, W. Soyinkas The Interpreters, W. Harris’ The Palace of the Peacock und D. Potters Hide and Seek untersucht.
Eine solche Studie setzt sich einerseits dem Vorwurf der Neokolonialisierung einer westlichen Ästhetikkriterien inkompatiblen Geistes- und Gefühlswelt aus. Andererseits will sie bei der Heraushebung symbolischer Kontexte, welche die Bedeutung des „terrified consciousness“ erklären sollen, Signifikate ausgerechnet im postmodernen Roman konstatieren, der keine Bedeutungswelt außerhalb der Zeichen akzeptiert und seinen Anspruch auf Selbstreferentialität des Erzählten bewußt durch antiillusionistische Erzähltechniken untermauert.
Diesen ‚Interpretationsschwierigkeiten’ wurde durch einen polyperspektivischen Untersuchungsansatz Rechnung getragen. Die Romane wurden in ihrer materialen und formalen Gestalt als szenische Darstellungen des „terrified consciousness“ der Erzähler aufgefaßt und nach dem “Bühnenmodell” (Habermas) analysiert. So ließen sich postkolonialer und postmoderner Roman gleichermaßen als Pathographien lesen, in welchen sich das überforderte Selbstsystem des Erzählers mit einer im Erzählfortgang zunehmenden Signifikatwirkung offenbart. Während die Ich-Erzähler in The Palace of the Peacock und The Mimic Men von Tod und Ruin in Privatleben und Beruf ereilt werden, verharren die Protagonisten in The Interpreters und Hide and Seek im Zwang eines Interpretations- beziehungsweise Projektionsbedürfnisses, welches die notwendige Wahrnehmung einer veränderten und zu verändernden Realität verwehrt.


ISBN 3-88476-523-X, 284 S., kt., € 28,50 (2002)


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